In der zweiten Halbzeit der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans "Für ein kindgerechtes Deutschland 2005 - 2010" wird der Fokus auf die kommunale Handlungsebene gelegt. Welche Bedeutung wird dem Thema Kinder- und Jugendgerechtigkeit auf kommunaler Ebene zur Zeit eingeräumt?Dr. Haller: Zukunftsfähigkeit wird bei den Kommunen groß geschrieben. Neben wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Aspekten steht dabei die Attraktivität von Städten für Kinder, Jugendliche und Eltern im Vordergrund. Gute Bildung, Erziehung und Betreuung in KITA´s und Schulen ist unabdingbar für ein gelingendes Aufwachsen genauso wie ein gewaltfreies und vertrauensförderndes Klima des Größerwerdens oder der Grundsicherung.
Warum ist insbesondere die kommunale Ebene für die Umsetzung der Forderungen des Nationalen Aktionsplans von solch zentraler Bedeutung?
Dr. Haller: Auf kommunaler Ebene wird Kindergerechtigkeit konkret, dort ist auch Mitwirkung lebendig wirksam und hier liegt die Gestaltungsverantwortung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG/SGB VIII).
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Kommunen bei der Realisierung von Kinder- und Jugendgerechtigkeit?
Dr. Haller: Zentral bedeutsam ist die klare positive und fördernde Haltung im Sinne einer strategisch ausgerichteten Kommunalpolitik. Dann wird es auch gelingen, zielorientierte, wertschöpfende Finanzdebatten zu führen, die die nachwachsende Generation als Kerninvestition für Zukunftsfähigkeit betrachten, gerade auch vor Ort. Bildung und Erziehung und fördernde Begleitung findet vor Ort statt, in der Gemeinde.
Vor welchen Herausforderungen in Sachen Kinder- und Jugendgerechtigkeit stehen Sie in Leipzig?
Dr. Haller: Wir sind eine wachsende Stadt. Leipzig hat im Jahr 2005 eine kommunalpolitische Strategie mit Schwerpunkt "ausgeglichene Alterstruktur / Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien" formuliert. Wir wollen Bildung, Erziehung und Betreuung in Kindertagesstätten und Schulen optimieren. Kinder- und Jugendbeteiligung wird großgeschrieben, Netzwerke für Kinderschutz entstehen, Freiräume für Kinder sollen noch stärker erschlossen, Teilhabe und soziale Integration in Stadtteilen befördert werden.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Rahmen der Initiative "Für ein kindgerechtes Deutschland" ein Servicebüro eingerichtet, das die kommunale Verwaltung und Politik bei aktuellen Problemstellungen und Vorhaben begleitet und unterstützt. Leipzig wird als eine der ersten Kommunen vom Servicebüro beraten. Worum wird es dabei konkret gehen?
Dr. Haller: Wir haben ein kompaktes Stadtzentrum, um das uns viele Städte beneiden. Die Nutzungsdichte ist hoch. Kindern sollen neue Möglichkeiten eröffnet werden. Dort soll ein wunderbares Spielraumkonzept umgesetzt werden. Mit Unterstützung des Servicebüros wollen wir hier die kommunikative Begleitung im Prozess stärken.
Herr Dr. Haller, wir danken für das Gespräch.