Interview

Erfolgsfaktoren und Herausforderungen bei Netzwerken

Die Stadt Meckenheim hat mit Unterstützung des Servicebüros der Initiative „Für ein kindergerechtes Deutschland“ ein kommunales Netzwerk aus öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe aufgebaut und ein gemeinsames Profil der Kinder- und Jugendarbeit entwickelt. Im Interview erläutert Jörg Lewe, Jugendhilfeplaner der Stadt Meckenheim, die maßgeblichen Erfolgsfaktoren und die zentralen Herausforderungen bei der trägerübergreifenden Zusammenarbeit. Ferner gibt er einen Einblick in die aktuelle Struktur und Organisation des Meckenheimer Bündnisses.
Das Bild zeigt ein Porträt von Jörg Lewe.Worin besteht aus Ihrer Sicht der Nutzen, wenn sich unterschiedliche Akteure aus dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zu einem Netzwerk zusammenschließen?

Jörg Lewe: Netzwerk heißt für mich: voneinander nicht nur zu wissen, wer der Andere ist, sondern auch was der Andere genau macht. Nur wenn sich die Akteure auch über ihre inhaltliche Arbeit austauschen und gemeinsame Ziele und Ideen entwickeln können, haben Netzwerke einen Nutzen und sind somit effektiv . 

Wie ist das Netzwerk in Meckenheim entstanden? Konnten Sie auf bestehenden Strukturen aufbauen?

Jörg Lewe: Die Stadt Meckenheim hat sich 2008 entschlossen zunächst den Bereich der städtischen offenen Jugendarbeit strukturell und personell neu aufzustellen. Das städtische Jugendzentrum mit 1300m² Nutzfläche wird aktuell den heutigen Ansprüchen auch baulich angepasst, daher aufwendig saniert und umgestaltet. Der Beratungsprozess wurde in Meckenheim inmitten einer „großen“ Neuausrichtung der gesamten Kinder- und Jugendarbeit initiiert und sollte den Prozess fachlich begleiten.
In Meckenheim gab es seit der Begründung eines eigenen Jugendamtes im Jahr 2005 die AG nach § 78 (SGB VIII) für den Bereich Jugendarbeit. Dort waren viele Akteure und Träger aus der Jugendarbeit vertreten. Auf diesen Grundstock konnten wir zurückgreifen. Wir haben dann überlegt, wen könnten wir außerdem beteiligen? Diese weiteren Träger und Institutionen sowie entscheidende Leitungsebenen in unserer Kommune haben wir angesprochen und Zusagen zur Teilnahme erhalten.

Wer ist alles Teil des Netzwerks und wie schätzen Sie den Grad der Vernetzung bzw. die bisherige Zusammenarbeit ein?

Jörg Lewe: In dem Netzwerk sind Vertreterinnen und Vertreter der kirchlichen und verbandlichen Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, aber auch der Schulen, der Polizei und Ordnungsbehörden sowie des Jugendamtes engagiert. Meckenheim ist eine gut überschaubare Kommune mit ca. 25.000 Einwohnern. In dieser Konstellation arbeitet man mit vielen Akteuren auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Kontexten zusammen. Dies ist für eine gute Vernetzung eine ideale Voraussetzung. Das heißt konkret, man kennt sich nicht nur, sondern man sieht sich regelmäßig und das zu vielen verschiedenen Gelegenheiten und Themen. Wir haben also einen sehr hohen Vernetzungsgrad und aus meiner Sicht eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Akteuren, die aktiv ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Wie häufig trifft sich das Netzwerk heute und worin bestehen die Hauptaufgabenfelder?

Jörg Lewe: Das Netzwerk trifft sich in der Regel einmal im Quartal und wird von der Jugendpflegerin betreut. Das Netzwerk:

  • dient dem Austausch über die Kinder- und Jugendarbeit in Meckenheim und der damit verbundenen Koordination von Maßnahmen und Angeboten
  • dient als vorbereitendes Gremium für kinder- und jugendpolitische Themen im Jugendhilfeausschuss (JHA), z.B. Beratung über Richtlinien zur Förderung der Jugendarbeit
  • beteiligt sich an der Jugendförderplanung
  • plant eine jährliche gemeinsame Veranstaltung für Kinder und Jugendliche in Meckenheim
  • regt Fortbildungen (zu Themen wie Pressearbeit, Kinderschutz, Drogen) und Fachveranstaltungen an
  • berichtet im JHA über seine Aktivitäten

Was waren bisher die maßgeblichen Erfolge in Ihrer trägerübergreifenden Zusammenarbeit?

Jörg Lewe: In dem Beratungsprozess wurde allen Beteiligten noch mal vor Augen geführt, wie wichtig eine gute Netzwerkarbeit ist. Die Beteiligten konnten aber auch feststellen, dass es bisher einen sehr hohen Vernetzungsgrad gab und die bestehenden Angebote der verschiedenen Akteure schon zum Teil aufeinander abgestimmt sind. Zukünftig sollen die Angebote auf einer gemeinsamen Homepage veröffentlicht und somit für die Nutzer transparent dargestellt werden.
Darüber hinaus gab es zwei wesentliche Erfolge. Zum einen haben alle Akteure im Beratungsprozess ein gemeinsames Leitbild für ein „kinder- und jugendgerechtes Meckenheim“ entwickelt und darüber hinaus vereinbart, dieses auch zu leben. Zum anderen wurde im Rahmen des Prozesses von den Beteiligten der Gedanke geboren, als „Bündnis“ aufzutreten. Der Auftritt sollte durch eine gemeinsame Veranstaltung erfolgen. Am 12. September 2009 fand infolge dieses Gedankens die Veranstaltung „MeckenheimVereint - es bewegt sich was“ statt. Die Beteiligten haben es geschafft, alle Aktiven in den Sportvereinen für einen Aktionstag zu gewinnen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und soll zukünftig regelmäßig durchgeführt werden. Im Jahr 2010 wurde die Zielgruppe der Aktionen „auf alle die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind“ erweitert. Die aktuellen Vorbereitungen zeigen, dass es dieses Jahr erneut ein großes Interesse an dieser Veranstaltung gibt.

Worin liegen (oder lagen) aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen bei der trägerübergreifenden Zusammenarbeit?

Jörg Lewe: In der Kinder- und Jugendarbeit sind viele Träger und Verbände tätig. Jeder hat für sich den Anspruch „seinen“ Kindern und Jugendlichen „sein“ Angebot vorzuhalten. Das ist legitim und im Sinne einer breiten Angebotsstruktur in der Jugendarbeit nach dem SGB VIII. Die Herausforderung war und wird es immer sein, alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass jeder nur ein Teil im System ist und durch ein funktionierendes Netzwerk die bestehenden Angebote viel besser auf einander abgestimmt werden können. Dies ist gerade in Zeiten knapper Ressourcen um so wichtiger, damit weiterhin eine breite Angebotspalette möglich ist. Es darf sich niemand benachteiligt oder ausgeschlossen fühlen, daher ist ein offener und transparenter Umgang miteinander unbedingt erforderlich.

Was hat sich seit der Gründung des Netzwerks in Meckenheim verändert?

Jörg Lewe: Durch den Beratungsprozess konnte der Bereich der Jugendarbeit eine Aufwertung erfahren. Jugendarbeit ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Familienpolitik. Politik und Bürger werden durch regelmäßige Berichterstattung im JHA über den aktuellen Sachstand informiert. Auch die Öffentlichkeits- und Pressearbeit konnte verbessert werden und die Akteure sind sich bewusst geworden, dass man über „gute Taten“ in der Kinder- und Jugendarbeit regelmäßig berichten muss. Denn es steht außer Frage, dass in Meckenheim die vielen engagierten Akteure sehr gute Arbeit leisten.

Herr Lewe, wir danken für das Gespräch.

Quelle: http://www.kindergerechtes-deutschland.de/beratung/interview-joerg-lewe.html
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